© Florian Profanter

 

3. Schwanengesang

 

Deraos stolperte über den sonnenbeschienen Pfad in Ufernähe. An manchen Stellen wogte hohes sattgrünes Schilfgras sanft hin und her, Wasservögel stiegen daraus auf, vielleicht um sich auf die Jagd nach Nahrung für ihre Jungen zu begeben. Kraniche stolzierten im seichten Wasser umher, in einiger Entfernung konnte Deraos ein Schwanenpaar entdecken, aber seine Sicht trübte sich bereits. Er hastete weiter so gut es ging.

 

 Der Bach rechterhand reflektierte die warmen Sonnenstrahlen, allenthalben zwitscherten die Vögel vor ihm, verstummten aber kaum dass er sich näherte. 'Früher hätte ich mit ihnen gesungen' dachte er sich und musste erneut stehenbleiben, um einem Hustenanfall nachzugeben. Achtlos wischte er sich das Blut von den Lippen, um wieder weiter zu torkeln. Er wollte den Weidenbaum erreichen. Jenen Ort, wo für ihn der Anfang stand und vermutlich demnächst auch das Ende. Hier, inmitten der weiten Ebenen des Seenlands, war er geboren worden. Jahre und Jahrzehnte waren inzwischen vergangen. Meist war es eine schlimme Zeit, geprägt von Jagd und Verstecken. Aber es hatte auch Momente gegeben, in denen er genau wusste oder vielmehr fühlte warum das, was ihn sein Leben lang antrieb, so unglaublich wichtig für die Welt war und dieser Fluch und Segen zugleich in ihm weitergetragen werden musste.

 

Er geriet ins Straucheln und landete bäuchlings auf einem harten Stein. Er spürte wie die Woge des Schmerzes Faser für Faser seines Leibes eroberte, malträtierte mit den Zähnen das Lippenfleisch, um nicht laut aufzuschreien. Dennoch konnte er nicht verhindern, dass ihm ein leises Keuchen entglitt. Deraos hätte hier und jetzt liegenbleiben können, einfach die Augen schließen und sich dem lang erwarteten Freund, dem Tod hingeben können. Aber vorher gab es noch etwas Bedeutendes zu erledigen. Es war so unglaublich wichtig das Vermächtnis weiterzugeben, dass sogar der alte bleiche Mann sich gedulden musste, bis er ihn holen durfte. Er hob den Kopf und starrte in die Augen eines Fuchses. Der Schweif peitschte nervös hin und her, die Ohren zuckten, der ganze Leib schien die Anspannung förmlich auszustrahlen. Aber die Augen... für einen Moment erlaubte Deraos es sich, in ihnen zu versinken. Er erkannte sich selbst darin, wie er im Gras lag. Verkrustetes Blut bedeckte seine linke Gesichtshälfte, die vertraute Narbe auf seiner Oberlippe hob sich rot ab in dem hageren Gesicht. Das schulterlange Haar war wild zerzaust, stumpf und unansehnlich. Vor einer kleinen Ewigkeit war es einmal braun und gepflegt gewesen, aber daran schien er sich kaum noch erinnern zu können. Zerschlissene Klamotten verbargen den ausgemergelten Körper. Ein Stück Holz ragte aus der rechten Schulter.  

 

Deraos keuchte erneut, streckte eine Hand nach dem Fuchs aus, als er die Hunde irgendwo hinter sich kläffen hörte. Einer von ihnen stieß ein langgezogenes Heulen aus...  Wolfshunde. 'Weit weg von ihren Wäldern' dachte Deraos sich und beobachtete weiter den Fuchs. Jener stand nicht mehr still da, der Zauber des Moments war verflogen. Er schlich geduckt auf und ab, schnupperte an ihm, aber er lief nicht davon. "Geh, Meister Schlau. Du hast bewiesen, dass du alles andere als feige bist." sprach Deraos. Seine Stimme war brüchig und  rau. Alles andere als der wohltönende Klang, den er einst über seine Lippen perlen ließ. Das Rotfell unterließ sein Geschleiche und postierte sich nun wieder vor dem Greis. Eingefroren in seiner Bewegung ignorierte er die wilde Hatz, die sich unaufhörlich näherte und blickte auf den alten Mann vor sich nieder. "Nun geh. Du kannst..." ächzend richtete Deraos sich auf und versuchte die Schmerzen, so gut es ging, zu unterdrücken "...mir nicht mehr helfen". Es sah so aus, als ducke der Fuchs sich noch ein Stück tiefer, dann wandte er sich um und war im Nu in den Büschen zwischen den Bäumen neben dem Pfad verschwunden. Lächelnd hob Deraos die Hand, als wolle er ihm nachwinken, dann ging er weiter. Er fühlte das Leben, aber anders als er es je gespürt hatte. Es floss aus ihm raus, tröpfchenweise, langsam, aber unweigerlich. 'Einerlei, es ist nicht mehr weit.' gemahnte er sich selbst und eilte die wenigen Schritte bis zur nächsten Flussbiegung. Und da stand er.

 

Der mächtige Weidenbaum war der herrlichste Anblick, den er sich nur vorstellen konnte. Das Wasser floss majestätisch dahin, gurgelte um einige Felsbrocken im Flussbett und warf die Sonnenstrahlen auf die Myriaden von Blättern und Zweigen. Kurzes Gras wuchs um den breiten Stamm herum, der von den tiefhängenden Ästen beinahe vollständig verdeckt wurde. Ein Lächeln erschien in Deraos Gesicht. Tiefe Zufriedenheit breitete sich in ihm aus. Weiterstolpernd erreichte er den ihm heiligen Platz, hob die Kaskade aus Laub und Holz an und schlüpfte unter das Blätterdach. Erschöpft lehnte er seine heißfeuchte Stirn an den Stamm. Seine Hände schienen die Rinde zu liebkosen. Er erkannte mit geschlossenen Augen die Astlöcher, die er schon als Junge ertastet hatte. Es sah beinahe so aus, als würde er den Baum umarmen, bis er von Schwäche gekennzeichnet in die Knie gezwungen wurde. Hoch über ihm, in den Ästen und Zweigen, war es still. Einst hatte hier Leben gehaust. Unzählige Vögel und Kleintiere hatten auf dem Baum gelebt. Deraos hob den Kopf und erspähte einige Nester. Ein Käfer krabbelte über die Rinde und verschwand um den Stamm herum.

 

Und dort... dort saß ein Vogel. Ein Specht, dem bunten Gefieder nach zu urteilen. Kaum hatte Deraos den ersten entdeckt, sah er auch den zweiten und einen weiteren. Dort, zwischen Blättern, erkannte er noch einen. Er kniete stumm da, aber innerlich lachte er. Sie waren nicht verschwunden. Sie waren immer noch hier. Sie waren nur still. 'Es ist nicht vorbei' jubilierte er in Gedanken. Es mussten hunderte sein, die auf ihn herabblickten. Weder hüpften sie in den Zweigen umher, noch raschelte ihr Gefieder. Keiner der Köpfe wandte sich auf die für Vögel so typische Art ab, nicht ein Beinchen hob sich, kein Flügel schlug. Seine Züge entspannten sich. Das erste Mal seit Wochen wirkte er gelöst. Die blauen Augen, die so gehetzt und stumpf wirkten, klärten sich. Wieder breitete sich das Lächeln in seinem Gesicht aus. "Bist du da?" fragte er in die Baumkrone hinauf und schloss die Augen. Er musste nicht lange lauschen. Diesmal hörte er das Laub rascheln. Als er erneut ins Grün hinaufblickte, sah er den Falken. Weiß und grau, mit braunen Sprenkeln im prächtigen Federkleid. Die scharfen Krallen hatten sich in einen der unteren Äste gebohrt. Der Falke sah auf den Alten hinab. Dann senkte er, wie der Fuchs, den Kopf. Ein stummer Gruß, wie Deraos wusste und gleichsam die höchste Achtung, die der stolze Vogel ihm zuteilwerden ließ. Eine Träne stahl sich aus seinem Augenwinkel. Auch er neigte den Kopf, dann hob er die Hände an seinen Hals und nestelte unter dem schmutzigen Haar den Anhänger hervor.

 

"Silberholz..." brachte er hervor, ehe seine Stimme brach. Er fasste sich und begann erneut. "Silberholz, Begleiter des Barden, Bewahrer des Alten und Finder des Neuen." Seine müde, kaum hörbare Stimme erntete ein Rascheln... geboren im Federkleid der Flugfähigen, um ihrer inneren Unruhe, Wut und Hilflosigkeit über das Geschehende und Kommende Ausdruck zu verleihen. Einzelne Vögel schrien, andere fielen in das Gekrächze mit ein. "Mach dich auf die Suche. Lass dich zu dem Neuen bringen, schütze und erinnere ihn." Das Gezwitscher wurde lauter, mehr und mehr Vögel stimmten in den Lärm mit ein. Eine Melodie begann sich abzuzeichnen. "Zeige ihm die Wahrheit auf, warne ihn". Deraos spürte kein Lüftchen wehen, trotzdem begann nun der Baum selbst zu rauschen. Es war, als untermale er den vielstimmigen Vogelchor nun rhythmisch. Sanft und sacht klang das Säuseln der zitternden Blätter in der uralten Melodie und Deraos wusste tief in seinem Inneren, dass es genau so sein musste. "Bring ihn sicher zum Mondstein." Sein Blick suchte und fand den Falken. Als einziger plusterte sich das edle Tier nicht auf, schrie seine Wut und seine Angst nicht wie die anderen Vögel in das unendliche Blau des Himmels und in die Welt hinaus, sondern sah stumm auf ihn herab. "Nimm das Silberholz. Bring es... bring es dem Barden." brachte er erschöpft hervor, zog sich die filigrane Silberkette über den Kopf und legte sie sich auf die Brust.

 

Der Chor über ihm brandete auf. Das Rauschen wurde lauter, die Melodie wuchs zu einem Gesang, der so unendlich traurig und doch zugleich tröstend klang, wie nur die alten Lieder es konnten. 'Die alten Lieder... werden nicht vergessen.', dachte Deraos sich und schloss die Augen. Immer noch lächelte er, als er den Tod rief. 'Und nun komm, deine Zeit ist da.', sprach er in Gedanken. 'Komm und nehm mich mit. So lange schon begleitest du mich auf Schritt und Tritt, dass du mir wie ein alter Freund und Weggefährte erscheinst.' Der Schmerz in seiner rechten Schulter war fast nicht mehr zu spüren, ebenso der ganze Leib, wie das sonst gleichmäßige Schlagen in seiner ehrbaren Brust. 'Erlöse mich von den Ängsten und Sorgen, schaff Platz für den Erben. Seine Zeit ist da...' Kurz fühlte er ein Zwicken, als der abgebrochene Pfeil am Baumstamm entlang schrammte, als er sich umdrehte, um mit dem Rücken Halt an der zerfurchten Rinde zu finden, aber auch das dauerte nur einen Atemzug lang. Deraos erkannte noch die Ironie. Tausend Leben um ihn herum sangen von ihrem Schmerz ob seiner Heimkehr in die ewige Stille. Dann kam der Tod.

 

Die Hunde hatten die Flussbiegung erreicht. Sie sahen wohl die vielen Vögel aus der Krone des riesigen Baumes aufsteigen. Vielleicht bemerkten sie auch den Falken, der pfeilschnell in den Himmel aufstieg und bald nicht mehr zu sehen war. Möglich, dass sie sogar etwas kurz in seinen Klauen glitzern sahen. Aber mit Sicherheit bemerkten sie die beiden Schwäne, die gemächlich ans Ufer stiegen. Die Hunde legten die Köpfe schief, denn die großen Weißen sangen dabei. Wer hatte jemals die Könige der Seen singen hören? Menschliche Ohren hätten vielleicht die Schönheit in ihrem Gesang verstanden, die tiefe Trauer, das Leid und zugleich die Wärme, die von den anmutig klingenden Tönen ausgingen. Dem ungeachtet kläfften die Hunde nur kurz auf.

 

Einer von ihnen trottete ein paar Schritte vor. Bestie nannte sein Herr ihn. Seine Nase sagte ihm dass das Wild, welches sie jagten, keine zwanzig Schritt von ihnen entfernt lag, vermutlich unter dem großen Baum. Er machte einen weiteren Schritt auf das Nutzholz zu, ehe seine Augen den Fuchs erspähten, der hinter der Weide hervortrat. Wenn dieser Hund denken konnte, grübelte er vielleicht kurz über den verrückten Fuchs, der scheinbar keine Angst vor ihm und der heran preschenden Hundemeute hatte. Das Rotfell kam näher, stellte sich zwischen dem Kläffer und den Baum, versperrte ihm den Weg zur verstorbenen Hülle des alten Mannes. Einen Lidschlag später erschien ein weiterer Fuchs. Ein dritter Fuchs sprang aus den Büschen, gefolgt von etwas, das größer als der Fuchs war. Es sah aus wie ein Hund, bewegte sich ähnlich wie ein Artgleicher, dennoch verströmte er den Geruch von Gefahr. Er sträubte das Nackenfell und knurrte besorgt. Die Meute, die er anführte, tat es ihm gleich und erinnerte ihn daran, dass drei Füchse und ein hundeartiges Tier ihnen nicht wirklich etwas anhaben konnten.

 

Die zwei Schwäne waren unter dem Baum verschwunden, als noch eines dieser seltsamen hundeartigen Wesen erschien. Es zerrte seine Beute unter den Zweigen hervor, jener er und sein Rudel stundenlang nachstellten. Der fremde Fellträger hatte seine Zähne in ein Hosenbein des Greises geschlagen und zerrte ihn rückwärtsgehend zum Wasser, gefolgt von den anmutigen Schwänen, die noch immer sangen. Gewaltige Zähne, wie der Rüde bemerkte, aber auch er besaß starke und gefährliche Zähne. Er knurrte erneut, wollte den Tribut der Hetzjagd für sich und seinesgleichen einfordern. Die Füchse und das Wesen vor ihm ließen sich davon nicht sonderlich beeindrucken. Die Meute hinter ihm scharrte begierig mit den Pfoten im Gras, doch etwas warnte ihn davor loszuschlagen, verwandelte ihn in eine starre Salzsäure. Das sonderbare Schauspiel war ihm unheimlich. Seine Beute lag nun mittlerweile im Wasser, die Schwäne näherten sich ihr. Einer der prachtvollen Vögel schwamm hinter sie und bugsierte sie sacht in die Flussmitte, der andere folgte und zupfte mal hier und mal da, um die Richtung zu halten. Bald waren sie um die Flussbiegung verschwunden.

 

Der Meister der Hunde würde alles andere als zufrieden sein und er, der versagte, würde sicherlich mit Schlägen rechnen müssen. Kein Futter, der Magen würde mindestens so laut knurren wie die Meute hinter ihm. Die beiden Hundeartigen waren unter den tiefhängenden Ästen verschwunden, die drei Füchse zogen sich ebenso dahin zurück. Zorn machte sich in ihm breit. Seine Unentschlossenheit hatte ihm schon eine sichere Strafe beschert, aber sein Zorn sollte dafür sorgen, dass sie wenigstens keinen Hunger leiden würden. Er bellte einmal und die Meute stob links und rechts an ihm vorbei auf den Baum zu. Schnell waren sie unter dem Laub verschwunden. Es raschelte, es bebte und er konnte den Kampflärm deutlich hören. Manche jaulten, andere bellten, einer knurrte. Dann war es plötzlich wieder still. Der Leithund legte den Kopf schief. Was ging da vor? Eigentlich müsste seine Meute nun hervorkommen, mit blutgetränktem Fell und zufrieden hechelnd. Da teilten sich die Zweige.

 

Er erhaschte einen Blick auf die toten Leiber seiner Brüder. Sie waren zerfetzt, zerstückelt, zerrissen. Nacheinander traten die hundeartigen Kreaturen hervor. Blut bedeckte ihre Schnauzen, einer schlang noch etwas hinunter. Sie waren nicht zu zweit, es waren mehr, viel mehr... mindestens eine Meute und jedes der Tiere war so groß wie er selbst. Sie allesamt kamen auf ihn zu, verteilten sich im Halbkreis um seinen Leib, bevor sie ihren Hinterleib senkten und ihm hockend entgegen starrten. Manche schleckten sich dabei den roten Lebenssaft von der Schnauze und erneut wurde ihm bewusst, was für riesige Fänge sie besaßen. Die pure Angst kroch ihm in den Nacken, er traute sich weder vor noch zurück und duckte sich angstvoll ins weiche Gras.

 

Abermals teilte sich das Blätterwerk und ein Tier, riesig wie keines das er jemals zu Gesicht bekam, trottete gemächlich heran. In ihm erschien ein Bild, eine Ahnung aus grauer Vorzeit. Nein, das waren keine Hunde, das war keine Meute die in irgendeine Burg oder Stadt zurückkehren würde... Wölfe. Das war es, was ihm sein zur mordenden Bestie ausgebildeter Verstand die ganze Zeit hatte sagen wollen und ihn vorhin zögern ließ. Es waren Wölfe, die mit Füchsen und Schwänen seine Beute in Sicherheit gebracht hatten. Der riesige Wolf trat in die Mitte des Halbkreises. Er war unverkennbar wie er zum Anführer geboren. Bestie war klug genug zu erkennen, dass es für ihn kein Entrinnen gab. Ihm war klar, dass er nur zu seinem Herrn zurückkehren konnte, dass es nur diesen einen Ort für ihn auf der ganzen weiten Welt gab. Ihm war ebenso klar, dass der riesige Wolf jenes nicht zulassen würde. Sein Rudel würde ihn jagen und, wie Bestie erahnte, spielerisch mit ihm mithalten können. Jeder einzelne der Wölfe war eine Gefahr für ihn. Bestie konnte natürlich den Kampf annehmen, den das Alphatier ihm zu gewähren schien, aber auch das wäre nichts anderes als der sichere Tod für ihn. Allein... kämpfend oder flüchtend in den Tod zu gehen, diese Frage stellte sich nicht für Bestie.

 

Er richtete sich zu seiner vollen Größe auf, fletschte die Zähne und knurrte. Der riesige Wolf antwortete mit einem Heulen, das ihm in Mark und Bein fuhr. Angst machte sich in ihm breit, dennoch trat er entschlossen und sich seines Ablebens sicher in den Halbkreis. Er und der Wolf umrundeten sich, während die anderen Wölfe den Kreis nun vollends schlossen. Bestie wollte gerade zum Angriff übergehen, als ein kurzes knappes Bellen erklang und ihn innehalten ließ. Weder er noch sein Gegenspieler waren der Ursprung des Lautes gewesen.  Die anderen Wölfe saßen nur schweigsam da und beobachteten das Treiben. Plötzlich schlüpfte einer der Füchse in den Kreis.

 

Er näherte sich dem großen Wolf. Der hockte sich auf die Hinterpfoten und neigte den Kopf, als wolle er hören was der Fuchs vor ihm von sich gab. Bestie konnte nichts von alledem verstehen, denn sie bellten nicht, noch knurrten oder jaulen sie, sondern verständigten sich auf eine ihm vollkommen unbekannte Art und Weise... sie schienen zu sprechen. Rasch wandte der Fuchs sich ab und lief aus dem Kreis. Der Wolf erhob sich wieder, näherte sich Bestie und blieb vor ihm stehen. Der Hund sah in seine Augen. Das Todesversprechen lag darin, die Kraft, aber auch dieser Funken der ihm zu verstehen gab, dass dieses Tier weit mehr als eine Tötungsmaschine war und nicht nur für die Jagd und fürs Überleben stand. Bestie folgte seiner inneren Eingebung, ließ sich fallen und legte den Kopf weit in den Nacken. Seine Kehle lag ungeschützt da. Es war nicht Feigheit, die ihn so handeln ließ, sondern etwas anderes. Etwas, das er nicht kannte und noch nie gefühlt hatte, aber er wusste dass Unterwerfung das Einzige war, das angemessen schien.

 

Er wollte und konnte gegen das ursprüngliche Geschöpf nicht kämpfen. Der Wolf war sein neuer Herr. Die Schnauze des Alphatiers stieß in die Höhe, erneut suchte sich ein langgezogenes Heulen seinen Weg in das Himmelszelt und wie auf ein Kommando hin wandte sich das Rudel ab. Lautlos trotteten die Wölfe ihrem Anführer in die Büsche hinterher. Bestie richtete sich auf, schüttelte sich... und folgte ihnen.